Entwicklungsgeschichte

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Christian Friedrich Samuel Hahnemann ist der Begründer der Homöopathie.
(* 10. April 1755 in Meißen; † 2. Juli 1843 in Paris)

Hahnemann praktiziert zunächst als Arzt in Leipzig, wo er 1790 eine zweibändige Arzneimittellehre des Schotten William Cullen übersetzt. Dabei fügt Hahnemann eine Fußnote ein, die als die erste Spur der Homöopathie betrachtet werden kann. Er kritisiert darin, dass Cullen die bekannte Wirkung der Chinarinde bei Malaria („Wechselfieber“) auf deren magenstärkende Eigenschaften zurückführt und berichtet von wiederholten Selbstversuchen mit der Chinarinde, die nach seinen Angaben bei ihm „alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptomen hervorrief“ – „doch ohne eigentlichen Fieberschauder“. Er formuliert die Vermutung, dass diese Fähigkeit, vergleichbare Symptome hervorzurufen, für die Heilwirkung der Chinarinde bei Malaria verantwortlich sein könnte.
Nach Hahnemanns Aufnahme in die renommierte „Churfürstlich Mayntzische Academie nützlicher Wissenschaften“ zu Erfurt  1791 und seinem Umzug nach Gotha publiziert er sein „Apothekerlexikon“ und nimmt weitere Experimente mit Arzneistoffen an sich und anderen vor.

In seinem Aufsatz„ Versuch über ein neues Princip zur Auffindung der Heilkräfte der Arzneysubstanzen, nebst einigen Blicken auf die bisherigen“ formuliert Hahnemann das Prinzip, „Ähnliches mit Ähnlichem“ zu heilen (similia similibus curentur)

Er untermauert den Aufsatz mit seinen empirischen Beobachtungen wie Selbstversuche, Vergiftungsberichte und eigene sowie fremde Heilungsgeschichten, die er durch das Simileprinzip erklärt. Hahnemann wendet nun immer kleinere Dosen an. 1805 erscheint sein Aufsatz im “Journal der praktischen Arzneikunde und Wundarzneikunst”, einer vom Mediziner Hufeland herausgegebenen Zeitschrift. Hier führt er erstmals den Begriff „homöopathisch“ ein: „Fingerzeige auf den homöopathischen Gebrauch der Arzneien in der bisherigen Praxis“ und veröffentlicht zwei weitere Aufsätze: Die lateinische Arzneimittellehre „Fragmenta de viribus medicamentorum positivis sive in sano corpore observatis“ (Fragmente zu den gesicherten Arzneikräften oder auch denjenigen, die am gesunden Körper beobachtet wurden) und das Buch „Heilkunde der Erfahrung“, die erste Gesamtdarstellung des neuen Heilprinzips.

1810 veröffentlicht schließlich Hahnemann die erste Auflage seines Grundlagenwerks zur Homöopathie.

Dieses Werk, das er später erheblich überarbeiten und ergänzen wird  – „Organon der rationellen Heilkunde“ (später: „Organon der Heilkunst“) – enthält bereits alle Wesenszüge der Homöopathie. Es ist bis heute  d a s  theoretische Werk der Homöopathie.
1811 folgt das erste große Werk, das sein Programm der Prüfung von Arzneimitteln an Gesunden umsetzt – der erste Band der „Reinen Arzneimittellehre“ mit den im Experiment an Gesunden (an sich selbst, seiner Familie und seinen Schülern) herausgefundenen „reinen Arzneiwirkungen“ sowie zahlreichen Literaturzitaten. Dieses experimentell begründete Werk ist ein für die damalige Zeit einzigartiger Beitrag zur Pharmakologie.

1812 erhält Hahnemann die Lehrbefugnis an der Universität zu Leipzig.

Grundlage ist sein wissenschaftliches Werk „De Helleborismo veterum“ (über den Gebrauch der Nieswurz bei den Alten = antiken Autoren). Hahnemann gilt nun als Begründer einer neuen heilkundlichen Richtung. Nun kann er sein Arzneiprüfungsprogramm fortsetzen und Vorlesungen über die Homöopathie halten – und wird in ausgedehnte akademische Fehden verwickelt, da er unter den Medizinprofessoren auch erbitterte Gegner hat.

In Leipzig führt Hahnemann auch eine ausgedehnte ärztliche Praxis.

In diese Zeit fällt auch der „Leipziger Dispensierstreit“: Hahnemann, der über chemische und pharmazeutische Kenntnisse verfügt, besteht darauf, seine homöopathischen Arzneien selbst zubereiten zu dürfen, worauf ihn drei Leipziger Apotheker verklagen, da einzig die Apotheker das Privileg der Arzneiherstellung besitzen. Der Streit endet 1820 mit einem Kompromiss: Die Apotheker behalten ihr hergebrachtes Dispensierrecht, Hahnemann darf jedoch in Notfällen, insbesondere auf dem Land, auch selbst Medikamente zubereiten.
Nach seiner Teilniederlage in diesem Streit entschließt sich Hahnemann 1821, als Herzoglicher Leibarzt nach Köthen zu gehen, wo ihm Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen das “Recht auf Verfertigung eigener Arzneien und Selbstdispensierung derselben” nach der Intervention des österreichischen Politikers Adam von Müller,  einflussreicher Förderer der Homöopathie, schriftlich garantiert. 1822 wird er zum Hofrat ernannt. 1829 begeht er in Köthen feierlich das 50. Jubiläum seiner Erlanger Promotion.
Während der großen Cholera-Epidemie in Europa (1830 – 1832) führt Hahnemann, der “kleinste Lebewesen” als Erreger annimmt, „antiseptische“ seuchenhygienische Maßnahmen verbunden mit homöopathischer Behandlung durch. Es werden wesentlich mehr Erkrankte gerettet als durch andere Methoden. Zu dem Erfolg der Homöopathie bei Cholera, der viele Menschen von der neuen Heilkunde überzeugte, dürfte beigetragen haben, dass Hahnemann allen schwächenden Maßnahmen strikt widerspricht und vor allem das von anderen Ärzten empfohlene Trinkverbot für widersinnig erklärt.

In Köthen erscheint 1828-1830 die erste Auflage der „Chronischen Krankheiten“, die einen erheblichen Wandel in der Doktrin der Homöopathie bedeuteten.

Ein weiterer, später noch schärfer formulierter Stein des Anstoßes ist die neue Lehre von der Arzneipotenzierung: Hahnemann verkündet nun, dass die Methode der Verdünnung mit gleichzeitiger mechanischer Bearbeitung (Schütteln, Reiben) nicht nur nebenwirkungsärmere Arzneien hervorbringe, sondern dass diese spezielle Methode ihre Heilkräfte erst wahrhaft aufschließe. Zugleich beginnt Hahnemann, der zuvor auf eine theoretische Begründung seines Ähnlichkeitsprinzips verzichtet und es als rein empirisches Gesetz bezeichnet hatte, sich der Lehre des Vitalismus anzunähern, in Form einer Hypothese:
„Da dieses Naturheilgesetz (das Ähnlichkeitsprinzip) sich in allen reinen Versuchen und allen ächten Erfahrungen der Welt beurkundet, die Thatsache also besteht, so kommt auf die scientifische Erklärung, wie dieß zugehe, wenig an und ich setze wenig Werth darauf, dergleichen zu versuchen. Doch bewährt sich folgende Ansicht als die wahrscheinlichste, da sie sich auf lauter Erfahrungs-Prämissen gründet“ – Organon, § 20

Nahezu der gesamte handschriftliche Nachlass Hahnemanns und alle Erstausgaben werden im Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart aufbewahrt.