Entwicklungsgeschichte

Jacob Levy Moreno (* 18. Mai 1889 – 14. Mai 1974) war ein österreichisch-amerikanischer Arzt, Psychiater, Soziologe.

1909 studierte er zunächst Philosophie, dann Medizin. Während seines Studiums beschäftigte er sich mit gesellschaftlichen Randgruppen und arbeitete nach seiner Promotion als Arzt in einem Flüchtlingslager. Seine Beobachtungen führten ihn dazu, soziale Anziehungs- und Abstoßungskräfte zu vermuten und in der Gruppe mehr als die Summe ihrer Mitglieder zu sehen.

Diese Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine späteren Konzepte.

Er forschte zur Soziometrie, zur Aktionsforschung und zur Entwicklung der Methode des Psychodramas. Von 1918 bis 1925 war er als Werksarzt tätig. Zugleich gehörte er expressionistischen Künstlerkreisen in Wien an (Er war Herausgeber der Zeitschrift Daimon). Seinem radikalen Konzept eines Stegreiftheaters („Theater der Spontaneität“), das er zwischenzeitig entwickelte, war allerdings wenig “Publikumserfolg” beschieden. Elisabeth Bergner und Peter Lorre sammelten bei ihm ihre ersten Theater-Erfahrungen.

1925 reiste Moreno in die USA, wo er lebenslang blieb.

Die ersten fünf Jahre hatte er schwer zu kämpfen. Seine Arbeit mit Kindern, soziometrische Studien mit Strafgefangenen in Sing Sing und mit Mädchen in einem Erziehungsheim fanden jedoch bald Resonanz. Seine frühen Erfahrungen in Amerika flossen in sein Hauptwerk“ Who shall survive?“ ein. 1936 übernahm er eine kleine psychiatrische Klinik in Beacon (USA), in der er seinen therapeutischen Ansatz des Psychodramas (Psychotherapie mittels Stegreifspiels) zur Reife weiterentwickelt.

Moreno entwickelte das Psychodrama als „diejenige Methode, welche die Wahrheit der Seele durch Handeln ergründet“.

Er verfolgte damit das Ziel „die menschliche Spontaneität freizusetzen und gleichzeitig in das gesamte Lebensgefüge des Menschen sinnvoll zu integrieren“.
Grundlagen dazu bilden die von Jacob Moreno entwickelten Verfahren Soziometrie, Psychodrama und Soziodrama, mit denen hervorragende Ergebnisse in der Analyse und Bearbeitung sozialer Geflechte und der Persönlichkeitsentwicklung erzielt werden. Der zentrale Ansatz hierbei ist die Entfaltung kreativer Handlungsmöglichkeiten.

Das Ziel psychodramatischer Arbeit ist die Überwindung des Ausgeliefertseins an alte Muster.

Das fördert die Fähigkeit zur Verhaltensvariabiliät: die Beweglichkeit im Meistern des Moments. Denn schließlich sollen uns nicht die beruflich oder gesellschaftlich vorgegebenen Rollen beherrschen, sondern wir wollen das Steuer in der Hand halten. Das Verfahren Psychodrama bietet vor allem durch das „Probehandeln“ die Möglichkeit, die Folgen des eigenen Tuns abzuschätzen. Das schafft ideale Voraussetzungen für eine persönliche Weiterentwicklung.